Weihnachtsmann-Effekt: Motivation im Projekt-Team über Aberglauben

Teammotivation über Aberglaube:
Mentale Tricks für dein Projekt

Vielleicht ist Motivation gar nicht so rational, wie wir gerne glauben. Vielleicht besteht sie aus vielen kleinen Geschichten, die wir uns selbst erzählen und an die wir Gefühle und Emotionen knüpfen. Ich habe da mal ein paar mitgebracht.

[7 Minuten Lesezeit]


Woran glaubst du eigentlich?

Ostern steht vor der Tür und wir könnten jetzt unsere Kinder belächeln, dass sie an sowas wie den Weihnachtsmann und den Osterhasen glauben und tatsächlich meinen, wenn sie das ganze Jahr artig sind, gibt es Geschenke.

Oder wir könnten mal uns selbst betrachten und über Aberglauben sprechen.

Wenig überraschend unterhalte ich mich mit meinen Kunden sehr häufig über das Thema Motivation. Und gerne erwähne ich dabei ein paar verblüffende Dinge, die ein Freund von mir entdeckt hat.

Selbst Triathlet und mehrfacher Iron-Man-Distanz-Absolvent, hat er für seine Master-Thesis Leistungssportler:innen interviewt. Das Ziel war, herauszufinden, wie in Gottes Namen man sich für so etwas motiviert.

Also nicht das eigentliche Event, sondern den Daily Grind von notwendigem Training. Jede Woche mehrere Stunden Sport. Egal wie sehr man das mag, das kostet auch Überwindung. Und vor allem gibt man viel dafür auf, was man sonst mit der Zeit anfangen könnte.

Und die größte Überraschung und Entdeckung in seinen Interviews: Viele motivieren sich über Aberglauben.

Motivation über Aberglauben: Wie soll das funktionieren?

Als mein Freund mir davon berichtete, waren wir uns einig: Das kennen wir beide von uns selbst. Doch so haben wir es noch nie betrachtet.

Mein Beispiel: Früher bin ich viel gejoggt. Ab und an geschah es, da wollte ich es unbedingt noch über die grüne Ampel schaffen. Doch hier in Deutschland sind ja keine Sekundenanzeigen über der Ampel, die mir zeigen würden, wie viel Zeit noch ist. Also gilt es, unbedingt auf die Tube zu drücken.

Was viel leichter geht, wenn ich mir einrede, dass, wenn ich es nicht schaffe, meinem Sohn oder irgend einer anderen geliebten Person etwas Schlimmes passiert. Je schlimmer die Vorstellung, desto schneller lief ich. Mobilisierte alle Reserven, damit meinem Sohn ja nichts passiert.

Das Ganze ist vollkommen irrsinnig, und natürlich ist nie etwas passiert, auch wenn die Ampel auf Rot umgesprungen ist, bevor ich ran war. Doch die Gedanken kicken erst später rein, wenn man vernünftige Gründe sucht, warum es doch okay ist, es nicht geschafft zu haben.

Das lässt sich auch auf andere Lebensbereiche übertragen

Mein Freund hatte sogar noch ein Beispiel aus seinem Alltag. Und sagte mir, wie er sich früher als Kind motiviert hat, zu Hause den Müll rauszubringen. Nicht etwa, weil er es seiner Mama versprochen hatte. Sondern weil er sich eingeredet hat, wenn er ihr hilft, lebt seine Mama länger.

Wie krass ist das denn bitte: Ein Kind entwickelt solche Techniken?

Oh ja, da hab ich auch noch was. Da war ich vielleicht 10 Jahre alt. Wenn ich aus der Schule heimkam, waren meine Eltern noch in der Arbeit. Ich allein im großen Haus. Und ich hatte Angst, mir könne etwas passieren und niemand kann helfen.

Also bat ich das Haus um Hilfe und hab immer, wenn ich zur Haustür reinkam, dieselben zwei Lieder gesungen und das Haus damit gebeten, auf mich aufzupassen, bis meine Eltern daheim sind.

Und wie krass again: Das hat mir niemand beigebracht, das habe ich als Kind selber entwickelt. Und Angst per Aberglaube in Handlung verwandelt, die mich Ziele erreichen lässt.

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Genau das will Motivation auch: Beweggründe (Motive) mit Energie (bspw. Angst) in Handlung verwandeln.

Und jetzt lachen wir nochmal über Kinder, die an den Weihnachtsmann glauben oder sich darauf freuen, dass der Osterhase da war und Süßigkeiten für sie versteckt hat.

Mentale Tricks für dein Projekt

Wenn wir jetzt überlegen, wie du das für deine Projekte und deine Motivation nutzen kannst, dann wird schnell klar: Manchmal braucht es keine psychologischen Konstrukte, um Energie zu mobilisieren, sondern lediglich ein paar mentale Tricks, über die wir ganz natürlich verfügen.

  1. Der „Projekt-Glücksbringer-Effekt“: Kleine Rituale und Artefakte

    Viele Leistungssportler haben Rituale. Immer derselbe Song vor dem Wettkampf. Immer dieselben Handgriffe. Nicht weil sie glauben, dass der Song magische Kräfte hätte. Sondern weil er den Kopf in den richtigen Zustand bringt.

    Im Projekt kannst du das genauso nutzen:
    Vielleicht ist es bei dir sowas wie mein grüner Smoothie bei dem du deinen Tag planst, oder die 14-Minuten-Priming-Übung am Morgen vor dem ersten Termin, um dich mit dir selbst zu verbinden. Oder ein Ritual zum Wochenstart mit dem Team, um Gemeinschaft und Geschlossenheit zu spüren.

    Der Effekt ist simpel:
    Das Gehirn erkennt das Muster und schaltet automatisch in den gewünschten Modus.

    Symbole können genauso wirken. Ich hab schon Teams getroffen, die hatten Maskottchen oder Glücksbringer.

  2. Die „5-Minuten Lüge“ für dein Projekt: Wenn-dann-Geschichten

    Der Jogging-Gedanke mit der Ampel ist natürlich völliger Quatsch. Doch er zeigt etwas Spannendes: Unser Gehirn liebt Geschichten. Wenn wir uns sagen: „Wenn ich das heute nicht mache, wird es morgen nur schlimmer.“ … dann ist das oft schon Motivation genug.

    Du kannst genau diesen Mechanismus nutzen:
    Wenn wir den Workshop nicht vorbereiten → wird das Meeting Chaos.
    Wenn wir die Stakeholder nicht abholen → spucken sie uns später in die Suppe.

    Da könnten wir jetzt über den Unterschied von Projektionen und Manifestationen sprechen, oder doch lieber laut aussprechen: „Wenn wir jetzt nicht entscheiden → verlieren wir Wochen.“

    Also keine Magie. Nur eine mentale Kurzgeschichte, die Energie freisetzt. Konkret: Wenn ein Thema nicht ins Rollen kommen möchte, erzählt euch die „5-Minuten-Lüge“ und fangt doch „nur mal kurz“ an. Vielleicht ist damit bereits das Schwierigste geschafft.

  3. Der „1. Dominostein“ im Projekt: Der Team-Aberglaube

    Jetzt wird’s spannend. Viele Teams entwickeln ihre eigenen kleinen Mythen:
    „Unser Projekt startet immer mit Pizza.“
    „Nach jedem Meilenstein gehen wir zusammen essen.“
    „Unser Kickoff endet immer mit dieser einen Frage.“

    Objektiv bringt das Projekte keinen Millimeter weiter. Und trotzdem macht es einen riesigen Unterschied. Warum?

    Weil solche Rituale ein Gefühl der Identität und Verbundenheit erzeugen können und wie der erste Dominostein, etwas anstoßen: Wir machen das gemeinsam! Und plötzlich wird aus Arbeit Teamenergie.

Mein Lieblingsgedanke zum Schluss:

Vielleicht ist Motivation gar nicht so rational, wie wir gerne glauben. Vielleicht besteht sie aus vielen kleinen Geschichten, die wir uns selbst erzählen und an die wir Gefühle und Emotionen knüpfen.

Die Geschichten können völlig absurd sein. Doch solange sie uns helfen, loszugehen, dranzubleiben und Dinge fertig zu bekommen, erfüllen sie ihren Zweck. Weil sie Energie freisetzen.

FAQs: Fragen und Antworten zu Motivationstricks im Projektmanagement

Was ist der „Weihnachtsmann-Effekt“?
Die Idee, dass Motivation oft nicht rational entsteht, sondern durch Geschichten, Emotionen und mentale Konstrukte, an die wir glauben; ähnlich wie wenn Kinder an den Weihnachtsmann glauben und sich entsprechend brav verhalten.

Warum funktioniert Motivation über Aberglaube oder Rituale?
Weil unser Gehirn und Körper auf starke Emotionen (insbesondere Angst), Muster und Bedeutungen reagiert und eben nicht nur auf logische Argumente.

Sind solche mentalen Tricks nicht irrational?
Ja, korrekt. Und genau deshalb funktionieren sie. Sie umgehen rationale Widerstände mithilfe von Vorstellungen und Projektionen und setzen darüber direkt Energie frei. Wir sind schließlich keine rein rational handelnden Individuen. Das ist ein Weg bewusst mit unserem irrationalen Anteil zu arbeiten.

Wie kann ich das im Projekt nutzen?
Durch Rituale, klare „Wenn-dann“-Geschichten und kleine mentale Trigger, die das Team in Bewegung bringen.

Warum sind Rituale im Team so wirkungsvoll?
Sie schaffen Identität, Sicherheit und Verbindlichkeit. Darüber stärken sie dann Motivation und Zusammenarbeit.

Was hilft, wenn ein Projekt nicht ins Rollen kommt?
Kleine Einstiegshürden senken (z. B. „nur 5 Minuten anfangen“) und emotionale Bedeutung herstellen.

💡 Mein Tipp für dich

Nutze den „Start-Mythos“ bewusst.

Wenn ein Thema festhängt, versuche nicht, es perfekt zu durchdenken.

Erzähl dir und deinem Team eine einfache, aktivierende Geschichte:

👉 „Wenn wir jetzt anfangen, kommen wir ins Rollen.“

👉 „Nur 5 Minuten – mehr nicht.“

Oft ist nicht das Problem das Projekt, sondern der fehlende erste Dominostein, um dann den Realitätscheck zu machen – wirkt es, wirkt es nicht, verändert sich dadurch etwas, verändert sich nichts?

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