Aktives Zuhören im Projektmanagement: Die unterschätzte Schlüsselkompetenz

So verbessert richtiges Zu- bzw. Hinhören eure Zusammenarbeit.

Das zeichnet gute Projektkommunikation aus:

Wieder schreibt der Alltag die besten Geschichten und zeigt mir, dass eine Kompetenz schleichend abzunehmen scheint: nämlich die Fähigkeit, richtig zuzuhören. Denn tun wir es nicht, eskaliert die Lage sehr sehr schnell

[5 Minuten Lesezeit]


Wie geht es dir, wenn man dir nicht richtig zuhört?

Anfangs bist du vielleicht nur irritiert. Denkst dir, dass du dich jetzt vielleicht falsch ausgedrückt hast und versuchst es nochmal neu. Doch hört man dir dann wiederholt nicht richtig zu, wenn du dein Anliegen hervorbringst, oder eine Frage stellst ...


Vielleicht bekommst du keine Antwort oder erhältst Reaktionen, die einfach null auf das vorher Gesprochene eingehen.

Dann stellt sich sicher auch bei dir recht rasch Folgendes ein:

  • Frust!
  • Wut!
  • Widerstand!
  • Gereiztheit!
  • Aggression!
  • Aversion!

Ich würde mich als einen sehr entspannten Charakter bezeichnen, der nicht so leicht aus der Ruhe zu kriegen ist, doch auch meine Hutschnur wird sehr kurz, wenn ich mich nicht gehört fühle.

Und damit meine ich wirklich „gehört“. Ich rede noch nicht einmal von „verstanden“. Denn ich empfinde es als absolut respektlos, wenn man mir nicht zuhört. Wohlgemerkt im Gespräch zu 2t, wo es ja genau darum geht.

Ein Beispiel, das du sicher auch kennst:

Da bin ich 5 Tage mit einem engen Freund im Urlaub. Wir sitzen zu Tisch und unterhalten uns. Gegessen haben wir schon. Das Gespräch hat sowohl an Fahrt als auch an Tiefe und Brisanz zugenommen. Er hat seine Sicht geschildert und fragt, wie ich dazu stehe. Und während ich mit meinen Ausführungen beginne ... greift er zum Handy.

Es folgt etwa eine Minute taubes Nicken und Bejahen, dann höre ich auf zu reden. Nach gut 20 Sekunden Stille weiter keine Reaktion von ihm. Dann koche ich über und flippe völlig aus. Und sage ihm unverblümt, wie unverschämt ich das von ihm finde.

Erst kommt kurz der Reflex, sich zu verteidigen. Dann sagt er: „Chris, stimmt, ich finde das selbst ganz unmöglich, wenn das andere im Gespräch mit mir machen.“ Und ein paar Minuten später entschuldigt er sich und noch mehr: er bedankt sich sogar dafür, dass ich Klartext gesprochen habe. Für den Werteabgleich. Denn wir teilen im Grunde dieselben Werte.

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Unserer Beziehung hat der Konflikt am Ende sogar gut getan

Das ist nicht immer der Fall. Diese Woche hat mich meine Bank auf die Palme getrieben. Nachdem ich eine Auslandsüberweisung getätigt hatte, kam eine E-Mail. Die Transaktion sei auffällig, ich möchte mich bitte mit ihnen in Verbindung setzen.

Wir klären den Sachverhalt am Telefon. Ich bestätige nochmal, dass ich den Empfänger kenne und alles seine Richtigkeit hat. Okay Herr Schiebel, dann geht da jetzt seinen Gang. 5 Tage später die nächste E-Mail. Ich rufe also wieder an. Die Transaktion wurde gelöscht. Ich solle sie noch einmal veranlassen. „Gelöscht?“ ist meine verdutzte Reaktion. Das hatten wir anders besprochen. „Ich meine, ihr habt das auf Band! Ihr habt es mündlich zugesagt und bestätigt, dass jetzt alles okay ist!“

Du merkst, ich rutsche affektiv vom Sie ins Du.

Das Drama geht weiter: Also Überweisung neu veranlasst. Doch auf meinem Konto bewegt sich nichts. Ich rufe zum 3ten mal an. „Nein Herr Schiebel, ich sehe keine ausstehenden Transaktionen.“ Ich schon sehr angespannt: „Dann tätige ich jetzt die Auslandsüberweisung während Sie am Telefon bleiben und mir danach bestätigen, dass Sie den Auftrag sehen.“ Okay.

Nix okay. Auch danach sieht sie nichts. Ich bekomme allerdings ein Pop-up am Bildschirm vor mir: Auslandsüberweisungen können bis zu 24 Stunden dauern, bis sie sichtbar werden. Das gilt angeblich auch für diese, erzählt mir die Bankdame dann am Telefon. Ich frage, warum sie mir das nicht vorher gesagt hat, denn meine Transaktion davor war noch keine 24 Stunden her. Ich hätte nicht gesagt, dass es um eine Auslandsüberweisung geht. Ich springe an die Decke. Ob sie mich veralbern möchte. Das haben wir vorher auf 3 verschiedene Art und Weisen wortwörtlich besprochen, als wir den Sachverhalt durchgegangen sind.

Ja, da könne sie jetzt nichts machen. Ich so: Doch! Zuhören! Einfach mal richtig zuhören!

Dass das nicht immer so einfach ist, zeigte mir dann meine Mutter. Sie ist gerade in den Ferien zu Besuch und bringt meinem Sohn ein Wasser aus der Küche mit an den Esstisch. Ob das auch Sprudelwasser sei, ist seine Frage an sie. Sie zögert kurz. In der Zeit schlägt er vor, er würde es einfach kurz probieren, wenn sie ihm das Glas gibt. Sie ist im Kopf allerdings schon woanders, dreht sich um und geht mitsamt Glas zurück in die Küche. Mein Sohn geht instantly an die Decke. Er hatte das Problem schon gelöst, sie aber nicht mehr zugehört. Als sie mit dem Glas geht, nimmt sie seine Lösung mit. Frust pur. Ein 5-Jähriger reagiert da sehr digital. In dem Fall, volle Lautstärke AN! Und selbst dann dauerte es noch knochenmark-erweichend laute Brüllsekunden, bis meine Mama realisiert, dass sie auf keinen Fall mit dem Glas in der Hand weiter von ihm weggehen soll.

Solche Situationen erlebe ich im positiven Sinne ständig in meinen Projekten

Im positiven Sinne, weil ich dabei sehe, wie dankbar Menschen heutzutage sind, wenn ...


  • man ihnen einfach nur mal richtig zuhört.
  • Also weder direkt mit dem eigenen Schicksal oder der eigenen Geschichte oder der eigenen Meinung drüber bügelt.
  • Noch interpretiert und paraphrasiert.
  • Sondern genau die Worte aufgreift, die gerade benutzt wurden.
  • Genau verstehen möchte, worum es geht und was das Gesagte bedeutet.
  • Man mit seiner Aufmerksamkeit komplett im Gespräch und beim Gegenüber ist.
  • Sich daran später noch erinnert.
  • Man ihnen ihre Sicht und Wahrheit nicht abspricht.
  • Sondern das Gesagte so stehen lässt und anerkennt.

Und vor allem: Zugewandt bleibt und hinhört.

Nicht noch zig Sachen nebenher erledigt. Oder im Kopf jongliert.

Oder wenn man sich dabei ertappt, es auch offen anspricht, wo einen der andere verloren hat, dass man das verstehen möchte, weil man sonst diesem ungeklärten Gedanken nachhängt und taub für alles wird, was danach gesagt wird.

Das ist das Normalste der Welt. Das kennen wir alle. Dafür hat man in der Regel Verständnis und wiederholt halt einfach nochmal das Gesagte. Gerne sogar. Solange man sich der Aufmerksamkeit sicher ist.

All das zeigt, warum in Projekten

  • so oft Missverständnisse entstehen
  • es zu Konflikten kommt
  • Probleme und Risiken entstehen, wo doch eigentlich alles besprochen und geklärt war
  • wir vermeintlich aneinander vorbeireden
  • oder scheinbar nicht dieselben Sprache sprechen
  • Entscheidungen seltsam ausgelegt werden
  • Aufgaben unerledigt bleiben

Weil es an den Basics scheitert: Dass wir einander gar nicht erst wirklich zuhören.

Bitte sei du ein Vorbild.

Du wirst das Feedback deines Lebens bekommen, ich schwöre! Allein schon deshalb, weil die Zerstreuung der Leute zuzunehmen scheint. Weil überall Ablenkung wartet und fast alle Schwierigkeiten haben, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Dabei können wir das den ganzen Tag trainieren.

Und das ist die gute Nachricht: Zuhören können wir alle ganz leicht trainieren. Jeden Tag. In jedem Gespräch. Und vermutlich gibt es kaum eine Fähigkeit, die Beziehungen, Zusammenarbeit und Projekte so schnell verbessert wie diese.

Fragen & Antworten zum Thema „Aktiv Zuhören“

Warum ist aktives Zuhören im Projektmanagement so wichtig? Weil viele Konflikte, Missverständnisse und Fehlentscheidungen nicht durch fehlendes Wissen entstehen, sondern dadurch, dass Beteiligte einander nicht wirklich zuhören.

Was bedeutet aktives Zuhören? Aktives Zuhören bedeutet, dem Gegenüber die volle Aufmerksamkeit zu schenken, nachzufragen, Gesagtes verstehen zu wollen und die Aussagen wertfrei anzunehmen.

Woran erkennt man, dass jemand nicht richtig zuhört? Typische Anzeichen sind Ablenkung durch Handy oder Laptop, vorschnelle eigene Geschichten, Unterbrechen, Interpretieren statt Nachfragen oder Antworten, die gar nicht auf das Gesagte eingehen.

Wie verbessert gutes Zuhören die Zusammenarbeit? Menschen fühlen sich ernst genommen, Vertrauen wächst, Konflikte entstehen seltener und gemeinsame Abreden werden deutlich tragfähiger.

Kann man Zuhören trainieren? Ja. Bewusstes Ausredenlassen, Blickkontakt, Nachfragen, O-Töne aufgreifen und Ablenkungen vermeiden sind einfache Übungen, die sich in jedem Gespräch trainieren lassen.

Warum ist Zuhören eine Führungsaufgabe? Weil gute Führung zuerst versteht, bevor sie bewertet oder entscheidet. Wer zuhört, erkennt Bedürfnisse, Spannungen und Risiken deutlich früher.

💡 Mein Tipp für dich

Lege bei wichtigen Gesprächen Handy und Laptop bewusst zur Seite.
Volle Aufmerksamkeit ist oft die größte Form von Respekt und Wertschätzung... und verhindert  viele Missverständnisse bereits im Ansatz.

Du hast noch Fragen, einen Spezialfall vorliegen oder möchtest dich mit mir austauschen? Keine falsche Scheu, klick gerne in meinen Kalender rein und vereinbar einen kostenlosen Ersttermin mit mir. Oder schreib mir eine Mail an chris(at)pm-botschaft.com.

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