Energiearbeit: Wie du dich auf Aufgaben und Termine einstellst

Kalender oder Energie organisieren? Was im Arbeitsalltag den Unterschied macht

Viele organisieren ihren Kalender. Nur wenige „organisieren“ ihre Energie: Was, wenn es im Arbeitsalltag weniger um die Art geht, uns zu organisieren, sondern darum, wie wir uns auf die Aufgaben und Termine einstellen? Um sie dann als wertstiftend zu empfinden. Sprechen wir über „Energiearbeit“ und wie sie funktioniert.

Chris Schiebel im Fitness-Studio für Projektmanager:innen, Sinnbild für Energiearbeit im Arbeitsalltag

 

Wie organisierst du deinen Arbeitstag?

 

Diese Frage hat mir letztens ein Coaching-Kunde gestellt. Sein Dilemma:

„Ich arbeite viel, aber ich handle nicht.“

„Ich schaffe es nicht untertags meine Produktivität abzurufen – nur in Randzeiten.“

„Und in den Randzeiten bin ich dann leider oft so müde vom Arbeiten-im-System.“

„Ich fühle mich gefangen von meiner eigenen Arbeit.“

 

Wie sein Arbeitsalltag aussieht? Im Grunde der Klassiker: Er hat viele Termine mit den Projektbeteiligten. Mehrere Projekte laufen parallel. Der Tag ist durchgetaktet. Scheinbar gut organisiert, wie ein Blick in seinen Kalender verrät.

 

Fühlst du ihn trotzdem? Wenn der volle Kalender nicht erfüllt

Genau: Denn worum es in all den Meetings (Blogartikel: „Meeting-Menü statt Standardagenda: So gestaltest du wirksame Meetings“) und Workshops und Calls und Arbeitsblöcken geht, ist Funktionieren, Abarbeiten, Abliefern, Produzieren, Performen, effizient sein, Pflichten erfüllen. Es manchmal mit der Brechstange erzwingen.

 

Die Aufgabenstellung ist meist glasklar. Der Blick scharf. Die Gedanken fokussiert. Andere Themen rechts und links lassen sich hervorragend ausblenden, denn um die geht es jetzt nicht. Er wird für genau das Thema @hand bzw. vor der Nase angeschaut. Leisten! Jetzt und hier zählt es.

 

Doch sobald die Arbeitstermine alle aus sind und der Stift fällt, kommt die K.O.-Faust.

Und zwar in Form der Erkenntnis, wie wenig es bei all dem um ihn ging. Wie viel der eigentlichen „Arbeit“ liegen geblieben ist. Dinge und Themen, bei denen er eben nicht vorangekommen ist. Die nun in noch weitere Ferne rücken. Die ihn (und seine Karriere) voranbringen würden. Und zugegeben oft auf keiner To-Do-Liste steht. Sie sind aus Sicht der anderen weder dringend noch akut. Weil sie ausschließlich für die Gestaltung seiner Zukunft wichtig (gewesen) wären.

 

Oder ganz kurz: Zu wenig ging es um die Dinge, die er braucht, damit es ihm gut geht.

 

Und so schwindet erst die Energie. Dann die gute Laune. Dann die Zuversicht. Dann der Optimismus. Bald die Hoffnung.

 

Stagnation. Technischer K.O. Und das Bewusstsein darum gibt ihm dann wirklich den Rest und lässt ihn verzweifeln.

 

Wir beide schauen von außen drauf: Klar was er vermisst, oder?

 

Was er vermisst: Kraft, Leichtigkeit und Flow bei der Arbeit

Was er vermisst, sind Kraft, Leichtigkeit, Flow, Handeln ohne Handlungsdruck, in der Arbeit eintauchen und darin aufgehen. Sich in der Mitte spüren und sogar ein Gefühl für seine Arbeit gewinnen. Etwas mehr raus aus dem Kopf und rein in Bauchgefühl, Intuition, Vertrauen, Fließenlassen, Loslassen, Zulassen, Hingeben … damit Geniales entstehen kann.

 

In seiner Vorstellung zumindest existiert das alles schon. Daran scheitert es sicher nicht.

 

Doch dafür müsste man auch mal die Zeit vergessen können. Dafür müsste man sich trauen, nicht den Umständen hinterherzuhecheln. Dafür müsste man vor die EIGENE Welle geraten. Auf ihr surfen. Um sich richtig zu fühlen mit dem, was man gerade macht, wie man es gerade macht.

 

Dafür müsstest du mal die Vorstellungen anderer ausblenden. Mal was Verrücktes probieren. Es auch mal darauf ankommen lassen. Dich ausleben. Dem nachgehen, was sich natürlich ergibt oder von dem du zutiefst überzeugt bist. Mutige Entscheidungen treffen und neugierig sein, was passiert, statt es aus Angst und Sorge lieber sein zu lassen. In der Sicherheit und dem Vertrauen darauf, dass sich die anderen dann an dich anpassen, wo bisher überwiegend du derjenige/diejenige warst, der/die sich angepasst hat. Trau denen ruhig auch was zu.

 

Alles erstmal in kleinen Schritten. Dann mehr davon. Dann größere Schritte. Nicht alles auf einmal. Taste dich ran. Üben. Erlebe. Erkenne. Entwickle. Wie ein neues Skill.

 

Du merkst: Ich komme von meinem Kunden und seiner Geschichte über das allgemeine „man“ zu dir.

 

Die falsche Frage: Warum Selbstorganisation allein nicht reicht

Daher jetzt nochmal die Frage: Wie organisierst du deinen Arbeitsalltag?

 

Meine These: Das ist die falsche Frage!

 

Was es nämlich in meinen Augen nicht braucht, ist eine andere Art dich zu organisieren.

 

Was es in meinen Augen allerdings sehr wohl braucht, ist eine andere Art mit dir selbst umzugehen. Und das ist Arbeit mit deiner und für deine Energie.

 

Was ist Energiearbeit? Definition und Beispiele

Wie auch immer du deinen Tag planst. Wann auch immer du arbeitest. Wie viel du arbeitest. Ob du das überhaupt Arbeit nennst. Da gibt es kein Falsch und kein Richtig. Es muss halt zu dir und deinem Rhythmus passen.

 

Mir geht es um deine Verfassung. Deine Konstitution. Dein Anspannungslevel. Dein Energieniveau.

Definition Energiearbeit: Bedeutet für mich, bewusst Bedingungen zu schaffen, unter denen du in den Zustand kommst, in dem gute Arbeit überhaupt erst entstehen kann.

 

Also braucht es bewusst Zeit, die du mit Aktivitäten und Dingen füllst, die …

  • diese Anspannung lösen oder gezielt herstellen
  • die dir Energie geben oder das Zu-viel-davon ableiten
  • die deinen Kopf frei oder genau den nötigen Laser-Fokus bringen
  • die deinen Blick weiten oder dich konzentrieren lassen auf genau DIE Sache, die jetzt genau betrachtet werden muss
  • die das Gespräch öffnen oder dich DIE Worte finden lassen, die GENAU SO mal gesagt werden müssen

 

Du siehst, mir geht es nicht um romantische Achtsamkeit.

 

Mir geht es um Aktivitäten, mit denen du dich passend auf die Arbeit (oder gerne auch den Alltag) einstellst. Mir geht es darum, dass du dich in den richtigen Zustand versetzt, in dem du den Aufgaben und Terminen gewachsen bist.

 

Und so mannigfaltig kann das auch ausschauen: Beispiele für Energiearbeit

Yoga, um dich mit dir zu verbinden, okay …
… vielleicht braucht es jetzt allerdings auch das Üben des festen Blicks im Spiegel.

 

Spazierengehen, um frische Luft ins Hirn und Sonne an die Haut zu bekommen okay …
… vielleicht braucht es jetzt allerdings auch ein Durchdenken, wie du Wort für Wort den Workshop morgen einleitest.

 

Sport, um dich aufzupumpen, okay …
… vielleicht braucht es jetzt allerdings auch die Präsentation für die Steerco nächsten Dienstag, damit die nicht am Wochenende zwischen Kind und Kegel entsteht.

 

Matcha-Latte am Morgen, um dich in den Tag rein zu denken/fühlen, okay …
… vielleicht braucht es jetzt allerdings den Headstart in deiner Inbox, bevor sich ab 9 Uhr 20 weitere E-Mails und Chatnachrichten hinzugesellen.

 

Diese Aufzählung könnte ich eine ganze Weile fortsetzen. Du siehst, wo die Reise hinführt. Was du machst, ist nicht entscheidend. Wofür du es machst, schon. Das sollte zueinander passen. Und viel wichtiger ist, dass du für dich mal runterschreibst, womit du deine Energie passend einstellst.

 

Zusammenfassend kann man sagen: Vor- und Nachbereitung ist keine ausschließlich inhaltliche Arbeit.

Du kannst es heute schon an anderen beobachten: Wenn sie in deinem Termin ankommen, in Gedanken jedoch noch ganz woanders sind. Da merkst du, dass Vor- und Nachbereitung keine ausschließlich inhaltliche Arbeit ist.

 

Tipp: In so einem Fall schlage ich ein Sounding (Blogartikel: „Positives Ping-Pong: So verbesserst du die Stimmung im Meeting“) vor. Alle bekommen die Gelegenheit, zu teilen, was sie gerade beschäftigt. Damit bietest du ein Ventil an. Vielleicht um den Preis, dass das deinen Termin sprengt. Doch was soll da bitte rauskommen, wenn alle ausschließlich physisch anwesend sind? Erzwungene, rausgequetschte Kuhkacke, sorry. Lieber setzt ihr den Termin neu an.

 

Das Beispiel des Blicks auf die anderen soll dir zum einen ein guter Trigger im Alltag sein, der dir künftig vor Augen führt, dass Energiearbeit wichtig ist. Zum anderen soll dir das Beispiel zeigen, dass DIE EINE SACHE tun nicht der Schlüssel ist. Je nach Situation und Konstellation braucht es ganz andere Interventionen. Für dich. Für andere.

 

Du wirst da deinen eigenen Stil finden müssen.

Ich persönlich mache z.B. ganz viele Dinge, um mein Unterbewusstsein zu aktivieren. Denn ich will mit meiner Intuition arbeiten. Die sagt mir nämlich im richtigen Moment, was zu tun ist. Und zwar viel viel schneller und zudem deutlich stimmiger, als es mein Kopf könnte. Manchmal beobachte ich mich in Workshops selbst und frage mich, wo das jetzt herkam. In genau dem energetischen Zustand will ich, das zulassen zu können.

 

Was ich konkret dafür mache, sind:

  • Musik hören und in der S-Bahn auf dem Weg zum Kundentermin aus dem Fenster schauen.
  • Oder bewusst das Radio aus, wenn ich mit dem Auto fahre, selbst wenn die Fahrt drei Stunden dauert.
  • Mich aufs Rad setzen und an jeder Kreuzung da langfahren, wo es am schönsten aussieht.
  • Spazierengehen und Wildblumen pflücken, um die Vase zuhause zu füllen.
  • Freunde treffen, ohne Absicht, etwas Bestimmtes zu besprechen.
  • Auf die Matte legen und dehnen ohne feste Sequenz, die eine App vorgibt.
  • Tanzen, ohne zu wissen, welcher Song als nächstes kommt.
  • Meditieren und eine Stunde einfach mal stillsitzen und neugierig draufschauen, was für Gedanken mir alle in den Kopf schießen.
  • Durch die Wohnung gehen und random erledigen, was mir gerade ins Auge fällt.
  • Meine anstehenden Aufgaben mal auf einen Zettel schreiben und sehen, was sich plötzlich noch dazu gesellt, was nicht mal auf meiner digitalen To-Do-Liste stand

 

Damit arbeitest du am System und nicht im System

Und damit übernimmst du die Führung (Blogartikel: „Vier Handlungsmöglichkeiten nach Riemann: Selbstführung im Projektmanagement“) in deinem Leben. Und das fühlt sich way erfüllender an, als funktionieren. Das wünsche ich dir!

 

Welche Aktivität verändert also deine Energie am stärksten, bevor du dich in die Arbeit oder das nächste Meeting stürzt?

 

Häufig gestellte Fragen zur Energiearbeit

 

Was ist Energiearbeit? Energiearbeit bedeutet, bewusst Bedingungen zu schaffen, unter denen du in den Zustand kommst, in dem gute Arbeit überhaupt erst entstehen kann.

 

Ist Energiearbeit dasselbe wie Achtsamkeit oder Meditation? Nein. Es geht nicht um romantische Achtsamkeit, sondern um Aktivitäten, mit denen du dich passend auf Aufgaben und Termine einstellst. Meditation kann dazugehören, muss aber nicht.

 

Welche Aktivität ist für die Energiearbeit die richtige? Es gibt kein Falsch und kein Richtig. Entscheidend ist nicht, was du machst, sondern wofür du es machst. Beides sollte zueinander passen.

 

Warum reicht bessere Selbstorganisation nicht aus? Weil ein voller, gut organisierter Kalender nichts über deine Verfassung sagt. Wenn die Dinge zu kurz kommen, die du für dich brauchst, schwinden Energie, Laune und Zuversicht.

 

Wie fange ich mit Energiearbeit an? Schreib für dich runter, womit du deine Energie passend einstellst, und probiere es in kleinen Schritten vor Aufgaben und Terminen aus, bevor du mehr davon machst.

 

💡 Mein Tipp für dich

Schreib dir heute fünf Aktivitäten auf, mit denen du deine Energie einstellen kannst, und notiere zu jeder, wofür sie gut ist: Anspannung lösen, Fokus schärfen oder ein Gespräch öffnen. Wähle vor deinem nächsten Termin bewusst eine davon aus und beobachte, wie du anschließend im Termin ankommst.

 

Und vergiss nie: Du kannst jederzeit deine verrückten Ideen umsetzen! In deinen Projekten und darüber hinaus.

Auf zur Brillanz ✨ (Podcast-Episode: „Auf zur Brillanz! Okay … doch warum?“)
Chris

 

Du hast noch Fragen, einen Spezialfall vorliegen oder möchtest dich mit mir austauschen? Keine falsche Scheu, klick gerne in meinen Kalender rein und vereinbar einen kostenlosen Ersttermin mit mir. Oder schreib mir eine Mail an chris(at)pm-botschaft.com.

 


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