
Gemeinsamkeiten im Projekt: Warum Stakeholdermanagement davon lebt
Ein Kunde sagte mal über seine Mannschaft: Es braucht seiner Erfahrung nach 7 Wiederholungen, bis es wirklich angekommen ist, was ich zu sagen habe. Letzte Woche ist mir etwas passiert: eine unbeabsichtigte Wiederholung. Tatsächlich stellt sie sich als Geschenk heraus.
Wiederholung im Projekt: Wie ein Versehen zum Geschenk wurde
Ist es dir aufgefallen? Vergangene Woche habe ich zwei Newsletter verschickt. Absicht? Ein bewusster Marketing-Genie-Streich? Ein technischer Fehler?
Die Reaktionen auf das ungewohnte Ergebnis waren so häufig wie schon lange nicht mehr. Und das, obwohl es gar keine Absicht war, sondern einfach ein Versehen. Sozusagen „menschliches Versagen“ meinerseits.
Und eigentlich hoch peinlich: Denn nur der Betreff „Gemeinsamkeiten“ war neu. Der komplette Inhalt war 1:1 eine Kopie des Newsletters zum Thema „Zuhören“ (Blogartikel: „Aktives Zuhören im Projektmanagement: Die unterschätzte Schlüsselkompetenz“).
Eigentlich peinlich denn: Sämtliche Reaktionen waren durchweg positiv. Manche hatten den Newsletter nur dadurch überhaupt gelesen. Einige haben ganz tollen, ergänzenden Input geteilt. Und mit wieder anderen hatte ich tolle Unterhaltungen zu den Effekten.
Die Wiederholung, wie eingangs über dem Bild bereits erläutert, war sogar richtig gut.
Vielleicht hatte mein Kunde also recht. Vielleicht braucht es tatsächlich mehrere Wiederholungen, bis etwas wirklich ankommt.
Und gleichzeitig bin ich dir damit den wahren Newsletter zum Thema Gemeinsamkeiten noch schuldig. Der existierte bisher nur in meinem Kopf. Und beginnt mit einer Geschichte:
Gemeinsamkeiten verbinden: Warum Beziehungen ohne sie an Leichtigkeit verlieren
Und zwar kam ein Freund ganz getroffen aus einer Therapiesitzung bei mir vorbei. Eine einzige Frage, die sich in seinem Kopf immer und immer wieder wiederholt hat, hat ihn total ins Grübeln gebracht. Nämlich die nach den Gemeinsamkeiten mit seiner Partnerin.
Wobei ihn, und das ist das eigentlich Verrückte, viel mehr beschäftigt hat, wieso er erstens sooo lange brauchte, um eine Antwort zu finden. Und wieso er einfach nicht mehr als zwei Gemeinsamkeiten benennen konnte, die ihm drittens zudem so bedeutungslos erschienen. Das hat ihn regelrecht erschrocken, so deutlich mit der Wahrheit konfrontiert zu werden.
Denn Gemeinsamkeiten verbinden uns. Gemeinsamkeiten schweißen zusammen. Gemeinsamkeiten bringen vor allem Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit in Beziehungen. Und gerade die war ihm und seiner Partnerin in den letzten Jahren mehr und mehr abhandengekommen. Anstrengende Jobs mit viel Reisetätigkeit, lange Auslandsaufenthalte ohne den anderen am Stück, und mehr … das hat die Beziehung ganz schön auf die Probe gestellt.
Im Business sind Gemeinsamkeiten nicht weniger relevant: Beispiel aus dem Stakeholdermanagement
Denn auch dort sind Beziehungen nicht irrelevant. Im Gegenteil. Für Vertrauen und Zusammenarbeit können sie absolute Katalysatoren (Podcast-Episode: „Nachgehakt: Gute Beziehungen, der Katalysator für dein Projekt“) sein.
Daher noch ein Business-Beispiel, bevor ich auf die Dimensionen von Gemeinsamkeiten speziell in der Projektarbeit komme.
In einem Training schildert ein Kunde seine Situation im Projekt. Das hat gerade erst angefangen, da verlangt ein wichtiger Stakeholder (Blogartikel: „Zurück in den Driver Seat: In den Lead gehen und das Vertrauen der Kunden gewinnen“) auf Kundenseite bereits, dass 2 der 3 Teammitglieder ausgetauscht werden. Sie gefallen ihm einfach nicht. So das Urteil des ersten Eindrucks nach dem ersten Zusammentreffen.
Was ich in so einer Situation machen würde?
Und ich erlebe mich schon nach wenigen Sätzen sagen „Mich vom Kunden trennen. Mit so jemandem arbeite ich nicht zusammen“. Von meiner Klarheit und Rigorosität fast ein wenig selbst überrascht. Was ich erstmal für mich reflektieren musste.
Denn klar hätte ich erstmal fragen können …
- Ist da schon bei der ersten Begegnung was vorgefallen?
- Wurde etwas anderes versprochen?
- Was hältst du denn von den anderen beiden?
- …
Doch Moment… warum reagiere ich eigentlich so?
Statt …
- Stakeholder analysieren
- Kommunikation verbessern
- Konfliktgespräch moderieren
Sage ich einfach „Nein, so nicht“. Denn in mir ist direkt mein Werte-und-Prinzipien-Kompass angegangen. Und so eine Art miteinander umzugehen, ist für mich ein „Red Flag“ ein „No Go“, eine klares Signal von „So will ich nicht arbeiten“.
Wie verzweifelt kann man sein? Toxische Kunden früh erkennen
„Wie verzweifelt kann man sein?“ waren weitere Worte von mir. Und die Frage: „Wie konnte es in der Anbahnung überhaupt so weit kommen?“ Da würde ich in 99,9 % der Fälle einfach nicht landen. Das bekommt man doch auf dem Weg hin zum Auftrag heraus, dass so eine Person auf Kundenseite toxisch ist. Und wenn das dort der Entscheider ist, dass es ein super miserables Projekt wird. So ein Projekt nimmt man nicht an.
Relevanz und Abgleich von Gemeinsamkeiten: Die Ebenen in der Projektarbeit
Dazu spanne ich mal 6 Ebenen auf:
- Prinzipien: Im obigen Fallbeispiel sind es gleich zwei meiner Grundprinzipien von Miteinander und Augenhöhe, die verletzt werden.
- Werte: Und darunterliegende Werte von Respekt und Gemeinschaft wurden auch mit Füßen getreten. Das andere womöglich einen anderen Kompass haben, ist mir klar und absolut fair. Und deshalb arbeiten auch immer wieder Personen mit diesem Entscheider beim Kunden zusammen.
- Motive: Neben den Werten und Prinzipien sind auch Motive (Blogartikel: „Dich und dein Projekt-Team motivieren? Easy mit der MotivationsPotenzialAnalyse (MPA)“), wie das nach Macht und Einfluss wichtige Faktoren zum Abgleichen. Mein hohes Kontaktmotiv würde null mit seinem Distanzmotiv zusammen gehen.
- Arbeitsweise: Und auch in der Umsetzung würde er sagen „Mach mal!“ und ich „Komm, lass g’schwind zusammen fertig machen.“
- Prägung: Von der Grundeinstellung und dem eigenen Weltbild bis hin zur Art und Weise des Handelns wären wir grundverschieden.
- Interesse: Dann hilft nur noch gemeinsames Interesse: Du lieber Kunde willst Geld einsparen. Wir sind die Beratung, die weiß wie und einen Anteil davon abhaben will. Deal!
Doch Achtung: Gemeinsame Ziele binden nur zeitlich begrenzt
Und das nicht mal zwangsläufig bis zur Zielerreichung. Die Art und Weise, wie man zum Ziel kommt, ist im Projektalltag die wichtigere. Herrscht da kein Konsens, steht das Ziel permanent im Risiko. Und lange hält das niemand aus.
Und ja, Unterschiede mögen sich anziehen, insbesondere, weil man viel voneinander lernen und sich um den Gegenpol bereichern kann. Doch im Kern braucht es Gemeinsamkeiten, um diese Unterschiede als wertvoll und emotional wie psychologisch sicher (Blogartikel: „Psychologische Sicherheit war gestern: Emotionale Sicherheit ist, wo alles beginnt“) anzuerkennen.
Und weil die unten aufgeführte Sketchplanation-Grafik so wahr ist, habe ich diesmal ein paar Worte bewusst verlinkt, für den Fall es braucht ein wenig Repetition zu Dingen, die ich bereits im Newsletter geteilt habe. Statt wieder etwas „Neues“ zu lernen. 😉
Häufig gestellte Fragen zu Gemeinsamkeiten im Projekt
Warum sind Gemeinsamkeiten im Stakeholdermanagement so wichtig? Sie schaffen Leichtigkeit, Selbstverständlichkeit und Vertrauen. Auf dieser Basis lassen sich auch Unterschiede als wertvoll und sicher anerkennen, statt sie als Bedrohung zu erleben.
Reichen gemeinsame Projektziele als Basis für die Zusammenarbeit? Nur zeitlich begrenzt. Entscheidend ist die Art und Weise, wie man zum Ziel kommt. Herrscht dort kein Konsens, steht das Ziel dauerhaft im Risiko.
Auf welchen Ebenen lassen sich Gemeinsamkeiten abgleichen? Auf den Ebenen Prinzipien, Werte, Motive, Arbeitsweise, Prägung und Interesse. Je mehr Ebenen zusammenpassen, desto leichter funktioniert die Zusammenarbeit.
Woran erkenne ich früh, dass die Zusammenarbeit mit einem Kunden nicht passt? Am eigenen Werte-und-Prinzipien-Kompass. Ein klares Signal wie „So will ich nicht arbeiten“ ist ein Red Flag. Idealerweise zeigt sich das bereits in der Anbahnung, noch bevor der Auftrag angenommen wird.
Helfen Wiederholungen wirklich beim Lernen? Die Erfahrung aus diesem Beitrag spricht dafür: Ein Kunde nennt 7 Wiederholungen, bis etwas ankommt, und auch der versehentlich doppelte Newsletter hat viele Reaktionen ausgelöst.
💡 Mein Tipp für dich
Nimm dir deinen wichtigsten Stakeholder vor und notiere zu jeder Ebene (Prinzipien, Werte, Motive, Arbeitsweise, Prägung, Interesse) eine Gemeinsamkeit und einen Unterschied. Findest du auf einer Ebene keine Gemeinsamkeit, ist das dein Hinweis, dort bewusst Beziehung aufzubauen, bevor es im Projekt eng wird.
Und vergiss nie: Du kannst jederzeit deine verrückten Ideen umsetzen! In deinen Projekten und darüber hinaus.
Auf zur Brillanz ✨
Chris
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